Zum Inhalt springen

Ist Auracast Bluetooth?

Und wie funktioniert es ?
18. Juni 2026 durch
Patrick Strübin


Kurze Antwort: Ja. Auracast ist Bluetooth, aber nicht ganz das Bluetooth, das die meisten von uns aus dem Alltag kennen. Wer schon einmal Kopfhörer mit dem Smartphone „gekoppelt" hat, kennt die eine Seite von Bluetooth. Auracast gehört zu einer neueren, zweiten Seite derselben Technologie. Genau dieser Unterschied entscheidet darüber, warum Auracast für barrierefreies Hören in Kirchen, Sälen und öffentlichen Gebäuden so spannend ist.

In diesem Beitrag erklären wir, wie Auracast und Bluetooth zusammenhängen, worin der Unterschied zum klassischen Bluetooth liegt und was das praktisch bedeutet.

Auracast ist Teil des Bluetooth-Standards

Auracast wurde von der Bluetooth Special Interest Group (SIG) entwickelt – also von genau der Organisation, die auch den restlichen Bluetooth-Standard betreut. Auracast ist damit kein Konkurrenzprodukt und keine Eigenentwicklung eines einzelnen Herstellers, sondern ein offizieller Bestandteil von Bluetooth.

Genauer gesagt gehört Auracast zu Bluetooth LE Audio, der nächsten Generation der Bluetooth-Audioübertragung. „LE" steht dabei für Low Energy, also für die stromsparende Variante von Bluetooth. LE Audio setzt auf den Bluetooth-Core-Standard ab Version 5.2 auf und bringt unter anderem einen neuen Audio-Codec namens LC3 mit, der bei geringerem Energieverbrauch eine gute Klangqualität liefert.

Auracast ist innerhalb dieses LE-Audio-Rahmens die Funktion, die das sogenannte Broadcast Audio möglich macht, also das Senden von Audio an viele Empfänger gleichzeitig.

Der entscheidende Unterschied: Senden statt Koppeln

Bluetooth gekoppelt vs Auracast

Klassisches Bluetooth funktioniert nach dem Prinzip einer privaten Eins-zu-eins-Verbindung. Ein Sender wird mit einem Empfänger gekoppelt: das Smartphone mit den Kopfhörern, das Tablet mit dem Lautsprecher. Wer noch jemanden zuhören lassen will, stößt schnell an Grenzen, denn jedes zusätzliche Gerät braucht eine eigene Verbindung.

Auracast dreht dieses Prinzip um. Statt sich mit einem einzelnen Gerät zu verbinden, sendet ein Auracast-Sender einen Audiostream offen in den Raum – ähnlich wie ein kleiner Radiosender. Beliebig viele Geräte können diesen Stream gleichzeitig empfangen, ohne dass eine klassische Kopplung nötig ist. Die Zahl der Zuhörerinnen und Zuhörer ist dabei technisch nicht begrenzt.

Ein gutes Bild dafür ist WLAN: So wie man im Café aus einer Liste das passende Netzwerk auswählt und beitritt, wählt man bei Auracast aus den verfügbaren Audiostreams den gewünschten aus und hört einfach mit. Manche Anbieter erleichtern den Beitritt zusätzlich über einen QR-Code.


Wie man einer Auracast-Übertragung beitritt

In der Auracast-Welt gibt es drei Rollen, die das Zusammenspiel beschreiben:

  • Der Sender (Transmitter): ein Gerät, das einen Audiostream aussendet – etwa ein Fernseher, eine Beschallungsanlage oder ein spezieller Auracast-Sender.
  • Der Empfänger (Receiver): das Gerät, das den Ton wiedergibt – zum Beispiel Kopfhörer, In-Ear-Hörer, ein Hörgerät oder ein Cochlea-Implantat.
  • Der Assistent (Assistant): ein Gerät wie ein Smartphone oder eine Smartwatch, das beim Auswählen des passenden Streams hilft.

Diese Aufteilung hat einen praktischen Vorteil: Die eigentlichen Hörgeräte oder Kopfhörer bleiben einfach und stromsparend, während das Smartphone die Auswahl übernimmt. Der Ton selbst geht dann direkt an die Hörgeräte.

Was Auracast technisch anders macht

Weil Auracast auf Bluetooth LE Audio aufbaut, bringt es einige Eigenschaften mit, die klassisches Bluetooth in dieser Form nicht bietet:

  • Eine Quelle, beliebig viele Empfänger. Ein einziger Stream versorgt eine ganze Halle, statt für jedes Gerät eine eigene Verbindung aufzubauen.
  • Kein Pairing nötig. Beitreten funktioniert wie das Auswählen eines WLAN-Netzes, nicht wie das mühsame Koppeln zweier Geräte.
  • Geringe Latenz. Bild und Ton bleiben synchron, was bei Vorträgen, Filmen oder Live-Veranstaltungen und auch Lippenlesen wichtig ist.
  • Niedriger Stromverbrauch. Gerade für Hörgeräte und kleine Empfänger, die den ganzen Tag laufen, ist das entscheidend.
  • Verschlüsselung möglich. Streams können offen oder mit einem Passwort geschützt sein – je nachdem, ob es um öffentliche Durchsagen oder um private Inhalte geht.

Welche Geräte unterstützen Auracast?

Auracast braucht Geräte, die Bluetooth LE Audio beherrschen – das ist nicht bei jedem älteren Bluetooth-Gerät automatisch der Fall. Auf der Smartphone-Seite ist die Unterstützung in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, etwa bei neueren Modellen von Samsung, Google Pixel und Xiaomi. Auch immer mehr Hörgeräte führender Hersteller bringen Auracast bereits mit, und die Erwartung in der Branche ist, dass es in den kommenden Jahren zum Standard wird.

Wer ältere Hörgeräte oder Kopfhörer ohne Auracast nutzt, ist trotzdem nicht ausgeschlossen: Ein kompakter Auracast-Empfänger – bei Bedarf mit induktiver Halsschleife – schlägt die Brücke, bis das eigene Hörgerät Auracast direkt empfangen kann.

Warum das für barrierefreies Hören so wichtig ist

Genau an dieser Stelle wird aus einem technischen Detail ein echter Mehrwert. Viele Menschen mit Hörgeräten erleben eine Predigt, einen Vortrag oder das Gespräch am Schalter, als säßen sie ohne Mikrofon in einem halligen Raum. Das eigentliche Problem ist dabei selten die Lautstärke, sondern die Verständlichkeit: Nachhall, Distanz und schwierige Raumakustik machen Sprache mühsam.

Auracast überträgt den Ton direkt und klar an das Hörgerät oder einen persönlichen Empfänger. Hall, Abstand und Hintergrundgeräusche fallen damit weitgehend weg. Anders als die früher übliche Induktionsschleife lässt sich Auracast außerdem ohne aufwendige bauliche Maßnahmen einrichten – ein praktischer Weg zu besserer Zugänglichkeit für Kirchen, Kulturhäuser, Universitäten und öffentliche Gebäude.

Genau hier setzt Summitwave an: Wir bringen Auracast in professionelle Umgebungen, damit Sprache dort ankommt, wo sie gebraucht wird – direkt im Ohr.

Fazit

Ist Auracast also Bluetooth? Ja Auracast ist ein offizieller Teil des Bluetooth-Standards, genauer gesagt von Bluetooth LE Audio. Der Unterschied zum klassischen Bluetooth liegt nicht in der Marke, sondern im Prinzip: Statt zwei Geräte fest zu koppeln, sendet Auracast Audio offen an beliebig viele Empfänger gleichzeitig. Aus dieser kleinen Verschiebung, vom Koppeln zum Senden entsteht eine Technologie, die gemeinsames Hören und vor allem barrierefreies Verstehen auf eine neue, einfache Grundlage stellt.