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Muss mein Smartphone Auracast unterstützen, damit ich mein Hörgerät verbinden kann?

18. Juni 2026 durch
Patrick Strübin

Kurze Antwort: In den meisten Fällen nein. Es hält sich hartnäckig das Missverständnis, man bräuchte zwingend ein nagelneues Smartphone mit Auracast-Unterstützung, um Auracast mit dem Hörgerät zu nutzen. Tatsächlich ist das oft gar nicht nötig. Der Grund liegt darin, wie die Aufgaben bei Auracast klar verteilt sind. Das Smartphone spielt dabei eine kleinere Rolle spielt, als die meisten denken.

Wer macht dann bei Auracast eigentlich was?

Bei Auracast gibt es drei Rollen. Es hilft, sie kurz auseinanderzuhalten: Der Sender (Transmitter): sendet den Audiostream au, zum Beispiel eine Anlage in der Kirche, einer Eventhalle oder im Flughafen. Der Empfänger (Receiver): das Gerät, das den Ton tatsächlich wiedergibt: in diesem Fall Ihr Hörgerät. Es können aber auch earbuds oder Kopfhörer sein. Der Assistent (Assistant): die Instanz, die hilft, den passenden Stream zu finden und auszuwählen.
Entscheidend ist: Der Ton fließt direkt vom Sender ins Hörgerät. Er nimmt nicht den Umweg über das Smartphone. Das Smartphone ist – wenn es überhaupt beteiligt ist – nur die Fernbedienung für die Auswahl. Ist der Stream einmal gewählt, könnten Sie das Telefon sogar ausschalten, und der Ton im Hörgerät läuft weiter.

Der Assistent steckt oft schon im Hörgerät

Und genau hier kommt der Punkt, der die Smartphone-Frage entschärft: Viele moderne Hörgeräte bringen die Assistenten-Funktion bereits mit. Das Hörgerät selbst sucht nach verfügbaren Auracast-Übertragungen in der Umgebung und meldet der Hersteller-App, welche Streams gerade empfangbar sind.
Der Ablauf sieht in der Praxis so aus: Sie öffnen die App Ihres Hörgeräte-Herstellers auf dem Smartphone. Das Hörgerät hat die verfügbaren Auracast-Streams bereits erkannt: die App zeigt sie als Liste an, ähnlich wie eine Liste verfügbarer WLAN-Netze. Sie tippen auf den gewünschten Stream. Das Hörgerät verbindet sich direkt mit dem Sender und gibt den Ton wieder.
Weil das Hörgerät die eigentliche Arbeit übernimmt und die App nur die Anzeige und Auswahl liefert, muss das Smartphone selbst gar kein Auracast bzw. Bluetooth LE Audio beherrschen. Es genügt in vielen Fällen ein ganz normales, auch älteres Telefon, auf dem die Hersteller-App läuft. Die App kommuniziert mit dem Hörgerät über die ohnehin vorhandene Bluetooth-Verbindung, mehr braucht es nicht.

Der Ton wird auf Ihr Hörgerät abgestimmt

Ein oft unterschätzter Vorteil dieses Wegs: Das Auracast-Signal kommt nicht „unbearbeitet" bei Ihnen an, sondern wird vom Hörgerät genauso aufbereitet wie jeder andere Klang auch.
Ihr Hörgerät ist auf Ihr individuelles Hörprofil eingestellt: es verstärkt bestimmte Frequenzbereiche stärker als andere, individuell passend zum Audiogramm. Genau dieser Frequenzverlauf wird auch auf den Auracast-Stream angewendet. Die Sprache aus der Kirche oder dem Vortragssaal kommt also nicht nur direkt und ohne Raumhall an, sondern bereits exakt so geformt, wie Sie sie am besten verstehen.
Das ist ein klarer Unterschied zu einfachen Bluetooth-Kopfhörern, die denselben Stream nur unverändert wiedergeben würden. Viele Apps bieten zusätzlich einen Equalizer fürs Streaming, mit dem sich die Klangbalance bei Bedarf noch feiner anpassen lässt.

Auracast und Umgebung nach Wunsch mischen

Genauso praktisch ist die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wie viel vom Auracast-Stream und wie viel von der Umgebung Sie hören möchten. Hörgeräte erlauben es in der Regel, das Verhältnis zwischen dem gestreamten Signal und den eingebauten Mikrofonen einzustellen.
Das bedeutet konkret: Bei einem Vortrag stellen Sie den Stream in den Vordergrund und blenden den Raum weitgehend aus – Sie verstehen die Rednerin klar und direkt. Möchten Sie trotzdem mitbekommen, wenn Ihr Sitznachbar etwas sagt, mischen Sie mehr Umgebung dazu. Den Stream lässt sich bei Bedarf auch kurz stummschalten, ohne die Verbindung zu trennen.
Sie behalten also die Kontrolle und passen die Mischung an die jeweilige Situation an – statt zwischen „alles" und „nichts" wählen zu müssen.
Wann braucht es dann doch ein Auracast-fähiges Smartphone?
Im Wesentlichen gibt es zwei Wege, einem Auracast-Stream beizutreten: Über die Hersteller-App: wie oben beschrieben. Funktioniert mit vielen vorhandenen Smartphones, weil das Hörgerät die Assistenten-Arbeit übernimmt. Direkt über die Bluetooth-Einstellungen des Telefons: Diesen nativen Weg gibt es ebenfalls, er setzt aber ein Smartphone voraus, das Bluetooth LE Audio und Auracast unterstützt, meist mit einem recht aktuellen Betriebssystem.
Wer also ohnehin ein passendes neueres Smartphone besitzt, hat schlicht eine zusätzliche, bequeme Option. Wer das nicht hat, ist deshalb nicht ausgeschlossen – die App-Variante steht offen.
Wichtig zu wissen: Auracast ist eine noch junge, sich schnell entwickelnde Technologie. Welche Wege genau funktionieren, hängt vom Hörgeräte-Modell, vom Hersteller und manchmal von einem Firmware-Update ab. Die zwingende Voraussetzung ist nicht das Smartphone, sondern dass das Hörgerät selbst Auracast-fähig ist. Im Zweifel klärt ein kurzer Blick in die Modellspezifikation oder ein Gespräch mit dem Hörakustiker, was Ihr Gerät kann.

Und wenn mein Hörgerät noch kein Auracast unterstützt?

Auch dann müssen Sie nicht außen vor bleiben. Ein kompakter Auracast-Empfänger, bei Bedarf mit induktiver Halsschleife nimmt den Stream entgegen und überbrückt die Lücke, bis Ihr eigenes Hörgerät Auracast direkt empfangen kann. So profitieren auch Trägerinnen und Träger älterer Geräte schon heute von der direkten, klaren Sprachübertragung. Genau dafür gibt es bei Summitwave den portablen Empfänger (RX).
Fazit
Muss Ihr Smartphone Auracast unterstützen, damit Sie Ihr Hörgerät verbinden können? Meistens nicht. Weil viele Hörgeräte die Assistenten-Funktion an Bord haben und der App lediglich melden, welche Streams verfügbar sind, genügt häufig ein ganz normales Telefon zur Auswahl. Der Ton läuft direkt ins Hörgerät, wird dort auf Ihren persönlichen Frequenzverlauf abgestimmt, und Sie entscheiden selbst, wie viel Auracast und wie viel Umgebung Sie hören möchten. Die eigentliche Voraussetzung ist ein Auracast-fähiges Hörgerät – nicht das neueste Smartphone.